Presse-Inforation 2019-02: Jugendarbeit in Bruchköbel

17. Februar 2019

Neueröffnung Jugendtreff in Bruchköbel:
Die Stadt nach 50 Jahren keinen Schritt weiter in der Jugendarbeit

Presse-Information 2019-02 (PDF)

Die evangelische Jakobuskirche in Bruchköbel eröffnete dieser Tage wieder ihren Jugendkeller. Sie tut dies mit der Unterstützung der Stadt Bruchköbel, vor allem aber mit einem eigens von der Kirche  eingestellten Mitarbeiter. Damit stiehlt sich die Stadt weiter aus ihrer eigenen Verantwortung in der Daseinsfürsorge Jugendarbeit und setzt das Konzept von SPD und CDU um, diese Aufgabe an die Kirchen und Vereine und deren Jugendabteilungen abzuschieben.

Schon vor fünfzig Jahren war es die Kirche, die Jugendlichen in der damaligen Gemeinde Bruchköbel ein Obdach gab, als diese auf der Suche nach einem offenen Treff waren. Nicht in den Bauernstuben des Bürgerhauses, nicht bei den Vereinen in deren Vereinsheimen, sondern im mittlerweile sogenannten Jugendkeller des evangelischen Gemeindehauses fanden wöchentlich offene Treffen für alle interessierten Jugendliche statt, die initiativ ihre eigene Freizeitgestaltung planten und durchführten.

Aus dieser Initiative folgte die Forderung nach einem selbstverwalteten Jugendzentrum. Die damals noch regierende SPD zeigte Verständnis für die Forderung, lehnte aber die Unterstützung ab. Der damalige Tenor: „Alles was wir bauen und Zentrum heißt, kostet uns Wählerstimmen, deshalb können wir euch kein Jugendzentrum bauen“. Dann übernahm die CDU die Geschicke der Stadt und baute ebenfalls nichts mehr, erst recht kein Jugendzentrum. Die Jugendinitiative wurde in einen Jugendbeirat gezwungen, dessen Arbeit nach zwei Wahlperioden einschlief.

Es wurde nämlich nicht der von den Jugendlichen nach einer Vorstellungsrunde ausgewählte und gewünschte Sozialarbeiter eingestellt. Damit haben sich die Jugendlichen von der Zusammenarbeit mit der Stadt verabschiedet. Die Politik hatte ihr Ziel erreicht.

Dann wurden Räumlichkeiten im Parkdeck für die Jugendarbeit ausgewiesen und ein Schild „Jugendzentrum“ darüber gehängt. Stattgefunden hat darin aber immer nur Arbeit im Rahmen der Kinder- und Jugendhilfe.

Eine letzte Initiative zur Errichtung einer Jugend- und Sozialarbeit in der Stadt wurde in der Zeit der schwarz-grünen Koalition gestartet. Aber sofort nach dem Ende der Koalition wurde auch das Projekt umgelenkt in eine Konzeption unter der Überschrift: „Wie werde ich als Stadt die Aufgaben der Jugendarbeit los“.

Der erste Haushalt der CDU-SPD-Koalition und auch folgende wiesen für die städtische Jugendarbeit null Euro aus.

Die heutige Koalition verfolgt das Ziel, die Stadt aus der Jugendarbeit herauszuhalten und Kirchen und Sportvereine damit zu betrauen. Nachdem nun die engagierten Sozialarbeiterinnen im Streit mit der Stadt ausgeschieden sind, verwaiste das Jugendzentrum und man nutzte es als Treffpunkt für Flüchtlinge und Asylbewerber. Die verbliebene, bis dahin vorwiegend in der Kinderhilfe beschäftigte Mitarbeiterin soll nun die Schnittstelle zwischen  interessierten Vereinen und der Stadt bilden. Die Vereine haben schon abgewunken.

„Wir sind der Kirche sehr dankbar, dass sie sich der Sache weiter annimmt und Jugendlichen nunmehr fünfzig Jahre lang ununterbrochen ein Angebot macht“, erklärt Uwe Ringel, Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen in Bruchköbel. „Nachdem die Stadt die freie Jugend in einem Beirat eingefangen hatte und nichts für die Forderungen der Jugendlichen getan hat, stellte die Kirche in den 1980er Jahren mit Axel Demmler einen hervorragenden Jugendarbeiter ein und übernahm alleine, ohne die Stadt, eine wertvolle Jugendarbeit und setzte in etwa das fort, was in den siebziger Jahren im Jugendkeller stattgefunden hat. Wir unterstützen die Kirche in ihrer Jugendarbeit und gratulieren zur Auffrischung des Jugendkellers und der Wiedereröffnung. Sie gibt der Jugend in Bruchköbel wieder eine Heimat.“ Die politische Arbeit der Stadt in Sachen Jugendarbeit ist damit abermals gescheitert. So kann Jugendarbeit in einer 20.000-Einwohner-Stadt nicht aussehen. Das kirchliche Engagement kann Ergänzung der Jugendarbeit einer Stadt dieser Größenordnung sein. Die Stadt darf sich aber nicht ausschließlich der ehrenamtlichen Vereine und Institutionen zur Erfüllung ihrer Aufgaben bedienen.

Pressekontakt:
Klaus Linek
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